Melatonin – der Dirigent der Nacht

Wenn es Abend wird, dann wird auch unser körpereigenes „Dunkelheits-Hormon“ Melatonin aktiv. Es sorgt dafür, dass wir müde werden. Nun startet die wichtige nächtliche Regenerationsphase. Für die Melatoninproduktion muss es dunkel sein, damit die Zirbeldrüse das wichtige Schlafhormon ausschütten und sich seine Wirkung im gesamten Organismus entfalten kann.

Wie kann es zu einem Mangel an Melatonin kommen?

Alles, was den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus stört, kann zu einer hormonellen Veränderung in unserem Organismus führen. Schichtarbeit oder künstliches Licht sorgen zum Beispiel dafür, dass unser Melatoninhaushalt aus dem Gleichgewicht gerät. Auch Blaulichtquellen wie Tablet, Smartphone und TV hemmen die natürliche Melatoninproduktion.

Ein Mangel an Melatonin kann zu Ein- und Durchschlafstörungen und einer gestörten Reparaturfunktion des Körpers führen. Als Folge können unsere Haut und alle Organe die für sie so wichtige Regeneration und Reparatur nicht optimal leisten. 

Melatonin als Einschlafhilfe

Um besser schlafen zu können, wird von vielen Menschen auf Melatonin zurückgegriffen. Seit kurzem sind auch in Deutschland Melatoninpräparate bis 1 mg Melatoninzugabe in Apotheken und Drogerien rezeptfrei erhältlich. Es gibt diese in den verschiedensten Darreichungsformen als Tabletten, Spray, Pulver oder Flüssiggetränk. Künstlich zugeführt kann Melatonin einen Mangel an körpereigenem Melatonin ausgleichen und ein schnelleres Einschlafen ermöglichen. Diese Schlafmittel mit Melatonin sind mild dosiert, nicht verschreibungspflichtig und stellen für den Verbraucher keine Gefahr dar.

Melatonin wirkt nicht wie ein direktes Schlafmittel, sondern ist ein sogenanntes Chronobiotikum. Das bedeutet, dass es den Organismus im zirkadianen Takt der Nacht hält und wie ein Dirigent die zahlreichen Mitspieler des Organismus koordiniert. Es synchronisiert verschiedene nächtliche Geweberhythmen und fördert damit die Regeneration und Reparatur unserer Zellen. Melatonin sorgt für die Erweiterung der peripheren Blutgefäße und ermöglicht den Körper damit u.a., seine Kerntemperatur abzusenken.

Melatonin signalisiert den Körperzellen die bevorstehende Nachtruhe, ist zugleich ein hochwirksames Antioxidans und schützt den Körper somit vor degenerativen Erkrankungen. Degenerative Krankheitsbilder entstehen durch die Abnutzung oder Alterung von Zellen. Auch die Elastizität unserer Hautzellen ist einem degenerativen Alterungsprozess ausgesetzt. In der Komplexität betrachtet erkennt man also deutlich, wie wichtig gesunder Schlaf und ungestörtes Einschlafen wirklich sind. 

Kann man auch ohne Schlafmittel die Melatoninproduktion unterstützen?

Ja, auch ohne Schlafmittel können Sie Ihre körpereigene Melatoninproduktion unterstützen – allerdings bedarf es dann möglicherweise Änderungen Ihres Alltags. Wie bei sehr vielen Beschwerdebildern ist unser eigenes Verhalten oft maßgeblich dafür verantwortlich, wie gut unsere Lebensqualität ist: Regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf und Erholung sind die wesentlichen Säulen unserer Gesundheit. Ein ausgeglichener Tag-Nacht-Rhythmus sowie eine gesunde Work-Life-Balance gehören ebenso dazu wie eine kurze Nacht nach einer Geburtstagsfeier mit guten Freund:innen oder das gelegentliche Stück Sahnetorte. Wichtig ist (wie fast immer) die nötige Balance. Leider gerät unsere Gesellschaft zunehmend in einen unnatürlichen Leistungsdruck: Stress, Überstunden, Fast-Food, Doppelbelastungen, Schichtarbeit - die Liste lässt sich endlos weiterführen. Wichtig ist deshalb, ein inneres Gleichgewicht zu finden. Self-Care ist hier ein wichtiger Begriff – dann klappt’s auch ohne Melatonin.

Ich empfehle meinen Patient:innen immer zuerst eigene Störquellen zu beseitigen. Dazu zählt, vor dem Einschlafen das Licht zu dimmen, den Fernseher auszuschalten und auch das Checken der neusten Mails auf den kommenden Morgen zu verschieben. Rituale spielen beim Einschlafen eine große Rolle. Genießen Sie ein gutes Buch, relaxen Sie mit einem leckeren Beruhigungstee und helfen Sie Ihrem Körper mit entspannenden Düften , in den Schlaf zu finden. Auch Meditation  ist ein gutes Tool, um Ruhe in den hektischen Alltag zu bringen und besser einschlafen zu können.

Zusammengefasst: Versuchen Sie Ihre Schlafprobleme erst ohne Melatonin als Einschlafhilfe zu lösen. Setzen Sie zunächst an den angesprochenen Alltags- und Lifestylefaktoren an, die möglicherweise zu schlechtem Schlaf führen. Wenn das nicht hilft, können Sie alternativ zu Melatoninpräparaten greifen.

Dr. med. Michael Feld ist Allgemeinarzt, Somnologe (DGSM) und Schlafmediziner. Als Arzt, Autor, Referent und gern gesehener Experte in zahlreichen Medien und TV-Formaten bringt er bereits seit vielen Jahren das wichtige Thema Schlafmedizin & Schlafforschung in das öffentliche Bewusstsein.

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